Wild Island - Die Sendung von Pro 7 im Survival-Check | Teil 1

Wild Island! Das Versprechen ist groß: Eine wilde, unbewohnte Insel, 14 bunt zusammengewürfelte Männer und Frauen, ein Monat überleben. Wild Island ist eine neue Serie auf Pro 7, die den Überlebenskampf auf einer tropischen Insel zeigen soll. Die Teilnehmer selbst haben mit dem Thema Survival zum Großteil nichts an Hut, zu Beginn gab es lediglich eine kurze Grundeinweisung durch einen Survival-Trainer mit Themen wie Feuer machen, Trinkwasser finden und Nahrung zubereiten.

Der Sender verspricht, dass die Teilnehmer auf der Insel tatsächlich auf sich allein gestellt sind und nur per Funk in Kontakt mit dem Produktionsteam und einigen Ärzten stehen, die im Notfall intervenieren können. Die Aufgabe: Einen Monat auf einer Insel nahe Panama überleben. Die Teilnehmer lernen sich erst auf der Insel kennen und müssen selbst herausfinden, wie sie ihre Grundbedürfnisse befrieden können.

Wir haben uns gefragt: Wie viel Survival steckt in Wild Island? Die erste Folge haben wir eingehend analysiert und präsentieren dir hier den ersten Survival-Check von Wild Island.

Vorab: Wie echt ist Wild Island?

Das wichtigste zuerst: Einblick hinter die Kulissen von Wild Island haben wir nicht. Daher können wir nur zusammenfassen, was Pro 7 kommuniziert. Und das lautet so:

  • Die Insel wurde nur an zwei Stellen gesondert vorbereitet: Das Wasserloch hat einen Betonboden erhalten, um nicht so schnell auszutrocknen. Und auf der Insel wurde ein Schwein ausgesetzt.
  • Die Teilnehmer kannten sich vorher nicht und sind auf sich allein gestellt. Direkter Kontakt mit dem Produktionsteam findet nur in medizinischen Notfällen statt.
  • Die Filmaufnahmen machen die Teilnehmer selbst und werden dabei von drei Kameraleuten unterstützt. Diese sind allerdings gleichberechtigte Gruppenmitglieder und haben keine Sonderstellung.

Ob Ereignisse gescriptet sind oder die Teilnehmer sanfte Hinweise für bestimmte Handlungen erhalten, können wir nicht sagen - wir finden es aber auch nicht so wichtig. Wild Island - so viel können wir nach der ersten Folge schon sagen - ist nämlich so oder so gut geeignet, um einem Survival-Interessierten zu zeigen, wo die Prioritäten einer Survival-Situation liegen und welche Survival-Fehler man vermeiden sollte.

Immer mit den Hintergrund: Aus Fehlern erkennen wir, wie wir eine Situation beim nächsten Mal besser meistern können. Es geht uns nicht darum, uns über die Teilnehmer lustig zu machen bzw. herablassend über sie zu urteilen - stattdessen wollen wir Survival-Interessierten die Hintergründe von Survival-Situationen am Beispiel der Sendung erläutern und vertiefen.

Der Survival-Check Wild Island - Das ist uns aufgefallen

Eine wichtige Ausgangssituation von Wild Island ist der Gruppenaspekt: Acht Männer und sechs Frauen mit völlig verschiedenen Hintergründen müssen zusammenhalten und an einem Strang ziehen, um zu überleben. Nachdem die Teilnehmer, getrennt in Männer- und Frauengruppen, am Rand der Insel abgesetzt wurden, müssen sie sich also zuerst kennen lernen und zum Strand durchschlagen. Der Survival-Trainer gibt ihnen zu Beginn drei Aufgaben: Feuer machen, Wasser finden,  sowie die andere Gruppe finden und zusammen ein Camp aufbauen.

Warum zuerst Feuer machen?

Feuer, Wasser und Unterkunft zählen alle zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Der Survival-Trainer von Wild Island hat sie aber nicht zufällig in genau dieser Reihenfolge genannt. Warum aber hat er dem Feuer die höchste Priorität gegeben? Auf der Insel ist es tagsüber heiß und nachts warm, Unterkühlung ist schon einmal nicht zu befürchten. Nahrung zum Kochen oder braten haben die Teilnehmer ebenfalls noch nicht und können sie auch erst suchen, nachdem sie das Camp aufgebaut haben.

Warum das Feuer in genau dieser Situation so wichtig ist, hat andere Gründe:

  1. Wasser. Auf der Insel steht keine ständig verfügbare Süßwasserquelle zur Verfügung, aus der die Teilnehmer einfach so trinken können. Gefundenes Wasser aus Tümpeln muss daher zumindest gefiltert und dann abgekocht werden. Da die Teilnehmer nur Trinkwasservorräte für 24 Stunden dabei haben, müssen sie so schnell wie möglich für Nachschub sorgen. Ohne Feuer gibt es kein Trinkwasser auf Wild Island.
  2. Im Survival-Training haben die Teilnehmer gezeigt bekommen, wie sie mit einem Feuerbohrer ein Feuer machen. Das geht relativ schnell, wenn man darin geübt ist. Wer es aber noch nie zuvor gemacht hat, wird Zeit brauchen, bis das Feuer auch brennt. Umso schneller die Teilnehmer sich um das Feuer kümmern, desto wahrscheinlicher können sie es noch vor der Dunkelheit in Gang bringen.
  3. In den Tropen sind die Nächte unangenehm, wenn man kein Mückennetz oder zumindest ein rauchendes Feuer hat, um die Stechmücken abzuhalten.

Der schlimmste Fehler nach der Ankunft

Klar, die Teilnehmer machen nicht alles perfekt - vermutlich würde das niemand, vor allem dann nicht, wenn man eine solche Situation und Umgebung nicht gewohnt ist. So springt eine Teilnehmerin barfuß aus dem Boot ins unbekannte Wasser und riskiert, sich an einem spitzen Stein zu verletzen. Wir wollen uns aber nicht auf solche kleinen (und meistens verschmerzbaren) Verfehlungen konzentrieren, sondern uns die wirklich spannenden Sachen anschauen.

Die Männer und Frauen lernen sich zu Beginn kennen. Anschließend beginnt ein dynamischer Gruppenbildungsprozess. Beide Gruppen versuchen es mit Demokratie und Abstimmungen durch einfache Mehrheit: Wer ist dafür, dass wir dort entlang gehen? Die Männer scheinen anschließend einigermaßen geschlossen loszuziehen.

Doch schon bald müssen sie eine Pause machen, denn - wo laufen sie denn eigentlich hin? Die Gruppe hat sich in Bewegung gesetzt, ohne vorher einen Plan über Richtung und Ziel zu formulieren. Erst im Wald versuchen sie, sich zu orientieren. Einer aus der Gruppe gibt sich dann als Jäger zu erkennen, somit als jemand, der Erfahrung damit hat, sich im Wald zu bewegen. Schlagartig wendet sich die orientierungslose Gruppe ihm zu und ernennt ihn implizit zum Gruppenführer.

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Die Frauengruppe hat mit derselben Herausforderung zu kämpfen - kein Plan, keine gemeinsame Linie, keine Gruppenhierarchie. Tatsächlich gibt es hier nicht einmal eine richtige Gruppe, einzelne Teilnehmer unternehmen Alleingänge. Ständig muss die Gruppe pausieren, um z.B. über die Richtung zu diskutieren und abzustimmen. Stillstand tritt ein. Eine Teilnehmerin stellt fest: "Wir reden einfach nur, wir machen nichts."

Hier sehen wir, wie wichtig eine Gruppenhierarchie und ein Plan sind. Nur mit einer festen Gruppe und einem gemeinsamen Ziel können mehrere Menschen in einer Survival-Situation effizient handeln. Hier können wir in den kommenden Folgen vermutlich darauf freuen, dass die Teilnehmer implizite Hierarchien bilden und dass diese Rangordnung immer wieder herausgefordert wird.

Im Fazit findest du unseren detaillierten Vorschlag für eine erfolgreiche Gruppenbildung.

Wie viel Demokratie braucht Survival?

Auffällig war in dieser Folge, dass die Teilnehmer jede Entscheidung vorher mit allen besprechen wollten. Das ist eine Folge der fehlenden Gruppenbildung. Das Ergebnis der ständigen Abstimmungen war Zeitverlust und Verwirrung. Die Frage stellt sich: Wäre es in einer Survival-Situation nicht effizienter, auf Demokratie zu verzichten?

Demokratie funktioniert in Survival-Situationen leider nur eingeschränkt. Der Gruppenführer und sein Stellvertreter müssen in jedem Fall demokratisch gewählt werden, da nur ein von allen akzeptierter Gruppenführer seiner Verantwortung gerecht werden kann. Von da an jedoch ist es nicht mehr sinnvoll, kleine Entscheidungen oder Richtungswechsel per Abstimmung zur Debatte zu stellen. Genau hier muss der Gruppenführer die Entscheidung verantwortungsvoll treffen und seine durch Wahl legitimierten Führungsrolle nutzen.

Wann sollte man sich um Nahrung kümmern?

Als die Teilnehmer am Strand angekommen sind, sehen wir, wie sie Nahrung sammeln. Mangels eines Gruppenführers gibt es keine Aufgabenverteilung - einer schneidet Kokosnüsse auf, die anderen stehen umher und schauen zu.

Abgesehen von der Ineffizienz stimmen hier die Prioritäten nicht. Denn zu diesem Zeitpunkt haben die Teilnehmer weder ihre Versorgung mit Trinkwasser sichergestellt, noch haben sie eine Unterkunft gebaut.

Wie lange überlebt ein Mensch ohne Wasser? Höchstens vier Tage, in den Tropen noch weniger. Wie lange überlebt ein Mensch ohne Nahrung? Je nach Stoffwechsel und Gesundheitszustand zwischen 30 und 200 Tagen (Quelle).

Daher hat der Survival-Experte zu Beginn auch nicht die Nahrungssuche als Ziel genannt. Feuer, Wasser, Unterkunft sind die drei Top-Prioritäten in einer Survival-Situation. Erst dann kommt die Nahrung.

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Auf Wassersuche - ist das klug?

Am nächsten Tag macht sich eine kleine Gruppe auf in Richtung des Wasserlochs, das die Männer am Tag zuvor gefunden hatten. Das Loch ist weit entfernt, schwierig zu erreichen, und beinhaltet kein trinkbares Wasser (die Teilnehmer können es jedoch durch Filterung und Abkochen trinkbar machen). Daher stellt sich die Frage: Welche anderen Optionen für Trinkwasser gibt es?

Die Sendung wurde während der Regenzeit aufgenommen. Das bedeutet, fast jeden Tag wird mehrfach Trinkwasser vom Himmel fallen. Dieses Wasser können die Teilnehmer mit Behältern auffangen, etwa den gezeigten Kokosnüssen und den angeschwemmten Plastikflaschen. Das geht noch besser, wenn mittels großer Blätter ein Fangtrichter gebaut wird. Diese Art der Wassergewinnung hat den Vorteil, dass sie passiv vonstattengeht und nur einen geringen Energieaufwand bedeutet. Auf der anderen Seite regnet es nicht immer, es können Engpässe entstehen.

Eine weitere Möglichkeit für die Teilnehmer sehen wir in der Destillation von Meerwasser. Sollte die Gruppe zum Beispiel eine angeschwemmte Plane finden, kann sie mit einfachsten Mitteln eine kleine Destillationsanlage bauen, die durch Sonneneinstrahlung oder mit einem Feuer angetrieben wird.

Wir sind gespannt, ob und wann diese beiden Optionen in der Sendung umgesetzt werden.

Sollte man spontan ein Schwein jagen gehen?

Als Cliffhanger der ersten Folge diente ein plötzliches Grunzen im Gebüsch. Eine der Teilnehmerinnen war außer sich vor Freude und wollte gleich das Schwein jagen und erlegen.

Ohne zu wissen, wie es in Folge 2 weitergeht: Ist das klug? Wir wagen die Behauptung: Eher nicht.

  1. Es ist verdammt schwierig, große Tiere zu jagen und zu erlegen. Wohl nur einer der Teilnehmer hat Erfahrung in der Jagd.
  2. Es ist auch gefährlich, vor allem ohne Distanzwaffen.
  3. Ein totes Schwein ist extrem schwer und nur schwierig zu bewegen. Die Teilnehmer müssten es zuerst in Richtung des Camps treiben. Dafür fehlt es aber an vorausgehender Planung.

Das Fazit unseres Survival-Checks Wild Island

Wild Island ist eine Fundgrube für jeden Survival-Interessierten. Denn aus den richtigen und nicht so richtigen Handlungen der Teilnehmer können wir viel darüber lernen, wie wir alle uns in Extremsituationen verhalten würden und wie wir diese Situationen bestehen könnten.

Besonders spannend fanden wir, dass die Teilnehmer im Voraus zwar während des Survival-Trainings einige handwerkliche Techniken erlernt hatten - auf die sozialen Aspekte einer Survival-Situation wurden sie jedoch nicht vorbereitet, was von Beginn an spürbar war.

Eben weil der soziale Aspekt immens wichtig für das Überleben in der Wildnis ist, legen wir bei unseren Survival-Ausbildungen großen Wert darauf, die Teilnehmer in Gruppenführung, Aufgabenverteilung und Gruppendynamiken schulen.

Unser Vorschlag für eine erfolgreiche Gruppenbildung ist dieser:

  1. Die Gruppe wählt einen Anführer sowie einen Stellvertreter. Die Entscheidung sollte einstimmig sein.
  2. Bei großen Gruppen werden zudem Teilgruppen gebildet.
  3. Die Gruppe stellt ein festes Regel- und Wertewerk mit einer gemeinsamen Vision und daraus abgeleiteten Teilzielen auf.
  4. Die Gruppe und die Teilgruppen geben sich Namen, um die Kommunikation zu vereinfachen und den Zusammenhalt zu stärken – Menschen brauchen Zugehörigkeit.

Wir freuen uns auf weitere Folgen von Wild Island und führen weiterhin unseren Survival-Check durch.

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