Was darf ich im Wald, was nicht? Waldrecht für Bushcrafting & Survival in Deutschland, Teil 1

Wer in seiner Freizeit Hobbys wie Bushcrafting, Survial oder Wandern nachgeht, ist häufig im Wald unterwegs. Hier ist man aber nur Besucher, denn der Wald ist entweder öffentlich oder in Privatbesitz.

Das bedeutet, jeder Waldbesucher muss sich an bestimmte Regeln halten – und kann, wenn er oder sie diese Regeln übertritt, natürlich auch dafür belangt werden.

Was sind diese Regeln und wer darf sie durchsetzen? Darum geht es in dieser Artikelserie mit besonderem Fokus auf Bushcrafting und Survival.

In diesem Teil der Artikelserie beschäftigen wir uns mit den Fragen:

  • Wer ist im Wald weisungsbefugt (und kann mich ggf. rauswerfen)?
  • Aus welchen Gründen kann ein Besucher aus dem Wald verwiesen werden?
  • Welche Rechte haben Förster, Jagdpächter und Jäger?
  • Wie ist die Jagd in Deutschland gesetzlich geregelt und welche Auswirkungen kann das auf mich als Waldbesucher haben?

In einem späteren Artikel beschäftigen wir uns außerdem noch mit den Themen:

  • Feuermachen und Übernachten im Wald
  • Bushcrafting, Holzberarbeitung, Bäume fällen, Bauten im Wald
  • Bushcraft- & Survival-Messer – was ist erlaubt, was nicht?


Das Waldrecht in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland sind die Vorschriften über die Nutzung des Waldes in den entsprechenden Gesetzen geregelt. Das Bundeswaldgesetz (BWaldG) setzt jedoch nur die Rahmenbedingungen für die jeweilige Gesetzgebung der Bundesländer. Doch gibt es Regeln, die bundesweit angewendet werden müssen – sowohl in der Forst- als auch der Wildpflege.

Oftmals betreffen rechtliche Fragen beide Gesetzesbereiche. So ist es zum Beispiel der Fall, wenn Wanderer von einem Jäger oder Förster dazu aufgefordert werden, den Wald zu verlassen. Ist das rechtens? Welche Befugnisse haben die Forst- und Wildpfleger?

Zunächst muss unterschieden werden, um welche Art von Wald es sich handelt. Denn nicht in jedem Wald ist jeder Jäger verantwortlich. Bei der Frage nach der Verantwortung muss daher geklärt werden, ob es sich um einen Staatswald, einen Körperschaftswald oder einen Privatwald handelt.

Deutsche Wälder im BWaldG

Für Wanderer besteht in keinem Fall ein Problem. Es ist bundesweit verankert, dass das Betreten des Waldes erlaubt ist (vergl. § 14 BWaldG). Das gilt für alle drei Waldarten. Der Eigentümer muss dies in der Regel dulden. Dabei müssen Wanderer nicht unterscheiden, ob sich der Wald in Privat-, Vereins- oder Staatsbesitz befindet.

Unterschiede ergeben sich bei der Verantwortung für den Wald. In einem Staatswald sind meist Beamte der regionalen Forstwirtschaft mit der Umsetzung der forstwirtschaftlichen Vorschriften beschäftigt. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Aufgaben der nachhaltigen Forst- und Wildpflege. In einem Körperschafts- oder Privatwald benennt der Eigentümer Verantwortliche oder kommt den Pflichten persönlich nach. Wer den Forstschutz ausübt, kann sich in der Regel ausweisen.

Wer ist im Wald weisungsbefugt?

Immer wieder kommt es vor, dass Personen aus einem Wald verwiesen werden. Doch ist das überhaupt mit der Pflicht der Duldung vereinbar? Wer Ihnen und unter welchen Umständen das Betreten des Waldes untersagen kann, erfährst du im Folgenden.

Weisungsbefugt sind in einem Wald der Eigentümer und die von ihm beauftragten Personen. Das sind in der Regel Jäger, Förster und andere Waldarbeiter. Diese können unter bestimmten Umständen einzelne Personen aus dem Wald verweisen, wenn dafür ein gerechtfertigter Grund besteht. Die möglichen Gründe sind entweder bei den Waldbesuchern oder beim Wald selbst zu suchen.

Die Verantwortlichen müssen den Wald im Sinne des Gesetzes schützen. Dazu gehört es auch, Waldbesucher zu einem rücksichtsvollen Umgang mit der Umwelt zu ermahnen. Wenn die Ermahnungen jedoch keine Wirkung zeigen, wird in der Regel ein Verweis ausgesprochen. Dieser stellt die angemessene Maßnahme dar, die der Waldbesitzer ergreifen muss, um den Wald zu schützen.

Wofür kann man aus dem Wald verwiesen werden?

Wenn die Ursachen bei den Wanderern liegen, haben diese oftmals selbst die Forstregeln missachtet. Verunreinigung des Waldes, unnötiger Lärm oder Beschädigung von Pflanzen sind nur ein paar der Vergehen, wegen derer ein Verweis aus dem Forst möglich ist. Ein solcher ist in der Regel aber nicht dauerhaft, sondern soll nur die akute Störung beseitigen.

Die Forstregeln der Länder können auf den Internetseiten der regionalen Forstämter eingesehen werden. So kann sichergestellt werden, dass keine Vorschrift außer Acht gelassen wird. Doch wer sich grundlegend an die Regeln von Tier-, Pflanzen- und Naturschutz hält, braucht auch nicht zu fürchten, dass der Wanderausflug ein vorschnelles Ende nimmt.

Aber auch andere Umstände können dafür sorgen, dass ein zufälliges Treffen mit dem Förster in der Aufforderung endet, den Wald zu verlassen. Wenn aber die Wanderer selbst keine Schuld trifft, wie lässt sich ein solcher Verweis begründen?

Verschiedene Umstände können ein Begehungsverbot für den Wald begründen. So sind zum Beispiel ausgedehnte Forstarbeiten zu nennen. Fallende Bäume und Äste sind eine potenzielle Gefahr für Personen, die den Wald besuchen. Deswegen können Wälder oder Waldteile gesperrt werden solange die Arbeiten laufen. Auch andere Gefahren können der Grund sein, warum die Verantwortlichen versuchen Wanderer fernzuhalten.

Bestimmte Tierarten sind in der Paarungszeit sehr aggressiv und können dann auch Menschen angreifen. Zum Schutz der Tiere und der Menschen kann dann ein lokales Begehungsverbot ausgesprochen werden. Auch bei Natursituationen wie einer hohen Waldbrandgefahr kann das Betreten des Waldes einschränkt werden.


Das Jagdrecht in Deutschland

Die Jagd hat in Deutschland eine lange Geschichte und eine ebenso lange Tradition. Daher verwundert es nicht, dass für die Jagd umfangreiche Gesetze geschaffen wurden.

Dabei haben aber nicht nur der Bund und die Länder ein Mitspracherecht. Auch auf EU-Ebene können Vorschriften das lokale Jagdrecht beeinflussen.

In erster Linie sind für die Jagd in Deutschland zwei Gesetzestexte von Bedeutung. Zum einen das Bundesjagdgesetz (BJagdG) und zum anderen das Jagdgesetz des jeweiligen Bundeslandes. Diese bestimmen, wer ein Jagdrecht ausübt und welche weitere Rechte und Pflichten damit einhergehen.

Das Bundesjagdgesetz (BJagdG)

Die generellen Vorschriften zur Jagd, zur Hege und Pflege und den Schonzeiten sind im Bundesgesetz niedergeschrieben. Darin ist zum Beispiel definiert, in welche Kategorien wilde Tiere zu unterteilen sind. Danach richten sich dann auch die Vorschriften zu den Jagdzeiten. Aber nicht nur die Jagdvorschriften sind hier zu finden.

Die Pflichten zum Jagdschutz werden hier als Ländersache definiert. Durch die unterschiedlichen Biotopformen in Deutschland ist es sinnvoll, die spezifischen Gesetze zum Schutz des Wildes auf Länderebene zu regeln und so den Schutz vor Wilderern und den Schutz vor Futternot, Wildseuchen und wilden Hunden und Katzen, die ein nicht unerhebliches Problem für die deutsche Fauna darstellen, zu gewährleisten.

Weiter ist im BJagdG geregelt, wer überhaupt jagen darf und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. So befasst sich Abschnitt 4 mit dem Jagdschein und den Vorschriften, die mit diesem einhergehen. Es legt fest, welche Sachkenntnisse nachgewiesen werden müssen, um nach einer erfolgreichen Prüfung einen Jagdschein erhalten zu können.

Auch grundsätzliche Regeln über die Ausübung der Jagd sind hier niedergelegt. So ist der zentrale Satz zu finden, dass das Jagdrecht an den Grundbesitz gebunden ist. Auf einem oder mehreren dieser Gründe können dann Jagdbezirke entstehen, in denen die Jagd legal ist. Diese Bezirke können einem einzelnen Eigner gehören oder einer Gruppe, die ihre Grundstücke für den Zweck eines Jagdbezirks zusammengelegt haben. In der Regel werden Jagdbeauftragte ernannt.

Gemeinschaftliche oder Eigenjagdbezirke müssen dann von den Eignern gehegt werden. In der Regel üben sie dann auch das Recht aus, den Jagd- und Wildschutz durchzusetzen. So kann zwar nach geltendem Waldrecht der Zugang zu einem Wald nicht per se versagt werden. Im Rahmen von Schonzeiten können Wanderer und andere Waldbesucher jedoch angewiesen werden, den Wald zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz der Tiere zu verlassen.

Die meisten Jagdbezirke sind als solche gekennzeichnet und weisen mit Tafeln darauf hin, wann Schonzeiten auch von Besuchern zu beachten sind. Eine Störung der Wildruhe kann mit einem Bußgeld geahndet werden oder zu einem Strafverfahren führen, wenn es sich nicht nur um eine Störung, sondern um eine Schädigung im rechtlichen Sinne handelt.

Die Landesjagdgesetze

Neben den bundesweiten Gesetzen gibt es auch die Gesetze der Länder. In diesen regeln die Bundesländer selbst die Details zur Jagd. Diese stehen oft im engen Zusammenhang mit der Flora und der Fauna, die in dieser Region heimisch sind. So definieren die Landesgesetze, welche Tierarten als invasiv gelten und welche Waffen für die Jagd auf welches Wild verwendet werden dürfen. So verbietet das Thüringer Jagdgesetz (wie die meisten Landesjagdgesetze) den Einsatz von Schalldämpfern, Lähmungsmunition, Gift oder Sprengstoffen für die Jagd.

Die Gesetze ergänzen damit das Bundesgesetz um die Details, die für die Region spezifisch sind. Darüber hinaus werden auch die jeweiligen Kontrollbehörden in den Landesgesetzen benannt. Diese sind in der Regel mit der Verwaltung, der Kontrolle und der Durchsetzung des Jagdrechts betraut. Sie sind verantwortlich für Jagdscheine und Jagdbezirke.

Unterhalb dieser Behörden sind die sogenannten Jagdbeiräte angesiedelt. Diese setzen sich in der Regel aus einer Vertretung der Eigner der Jagdbezirke, der Landwirtschaft, der Fischerwirtschaft, des Naturschutzes, des Veterinärwesens und anderer Bereiche zusammen. Dieser Beirat berät die Jagdbehörde bei Fragen der Gesetzgebung oder wenn es darum geht, den Bestandsschutz zu aktualisieren.

Verstöße gegen die Gesetze können je nach Art der Tat als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat verfolgt werden. Abhängig davon können bei Ordnungswidrigkeiten Bußgelder bis zu 25.000 Euro verhängt werden. Bei Straftaten kann es sogar zu einer Freiheitsstrafe kommen, so zum Beispiel bei der Wilderei.


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