Verletztenversorgung und Erste Hilfe im Survival, Outdoor & Trekking

Insektenstiche, Blasen, Wunden, Verstauchungen, Brüche oder Unterkühlung – wenn dir so etwas passiert, gehst du entweder zur nächsten Apotheke oder zu einem Arzt. In schlimmeren Fällen wird ein Krankenwagen gerufen.

Aber passiert, wenn du gerade mitten im Wald stehst und der nächste Ort hundert Kilometer entfernt liegt? In dieser Situation können eine gute Ausrüstung und speziell auf Survival angepasste Erste-Hilfe-Kenntnisse lebensrettend sein.

Wir zeigen dir, was du bei einem Erste-Hilfe-Outdoor-Kurs alles lernen kannst, und welche Produkte du bei einer Wildnis-Tour immer dabeihaben solltest.

Unterschiede zwischen einem klassischen Erste-Hilfe-Kurs und einem Kurs mit Survival-Hintergrund

Deinen letzten Erste-Hilfe-Kurs hast du vermutlich während deiner Führerscheinausbildung gemacht. Dort konntest du alle wichtigen Dinge lernen, wie du dich beispielsweise bei einem Unfall verhältst und wie du eine stabile Seitenlage durchführst. Auch über Verletzungen oder Erkrankungen hast du viele nützliche Informationen bekommen.

In einer Survival-Situation oder während einer Trekking-Tour erwarten dich jedoch ganz andere Bedingungen als in einer gut versorgten Stadt. Hauptunterschied: Ein Krankenwagen oder ein Arzt ist nicht schnell erreichbar, und du musst deinen Patienten vielleicht sogar zuerst bergen und dann zum nächsten Ort transportieren.

Deine Begleiter und du selber solltet euch deshalb so viele Erste-Hilfe-Kenntnisse wie nur möglich aneignen. Im Gegensatz zur klassischen Ersten Hilfe gehört dazu auch ein wenig Improvisationstalent. Ist eine Person zum Beispiel verletzt und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft fortbewegen, ist es wichtig zu wissen, wie du diese Person aus einer Gefahrensituation transportierst und mit welchen Dingen du eine Trage baust.

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Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung, Standard in normalen Erste-Hilfe-Kursen, hat im Survival-Kontext kaum Relevanz. Denn wirklich wiederbelebt werden kann das Herz nur durch einen Arzt und entsprechendes Equipment – wenn der Krankenwagen nicht innerhalb weniger Minuten eintrifft, ist die Anstrengung vergeblich. Dasselbe gilt für den Umgang mit einem Defibrillator.

Bei einer Erstversorgung, wie Schnittwunden, Blasen oder Insektenstichen, kannst du dir selbst behelfen. Bei schwerwiegenderen Verletzungen kommst du nicht umhin, einen Arzt aufzusuchen. Die Erstversorgung läuft dann darauf hinaus, den Verletzten transportfähig zu machen, so dass er im schlimmsten Fall mehrere Tage bis zur nächsten Siedlung durchhält.

Ein weiterer großer Unterschied ist das Equipment. Dinge wie eine SAM-Splint-Schiene, ein Tourniquet oder Klebstoff zum Wundenkleben findet man normalerweise nicht im KFZ-Verbandkasten. Das ist auch gut so – denn im Kontext einer schnell erreichbaren professionellen Krankenversorgung ergibt es keinen Sinn, jemandem die Blutzufuhr abzuschneiden oder eine Wunde zu verkleben.

Das lernst du auf einem Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs

Kenntnisse, die du während eines Erste-Hilfe-Outdoor-Kurses lernst, sind zum Beispiel, wie du mit einer Prellung umgehst. In dieser Situation solltest du das betroffene Gelenk nicht mehr belasten und es kühlen – unterwegs eignen sich dafür am besten Kälte-Kompressen. Die Prellung wird dann mit einer elastischen Binde umwickelt und sollte ruhiggestellt sowie hochgelagert werden.

Bei einer Trekking-Tour hältst du dich den ganzen Tag über draußen auf, weshalb dir der Unterschied zwischen einem Hitzschlag und einem Sonnenstich bekannt sein sollte. Ein Hitzschlag entsteht, wenn dein gesamter Körper zu lange hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Schwindel, Übelkeit und Bewusstlosigkeit können Vorzeichen eines Hitzschlags sein. Schatten und kalte Kompressen helfen dabei, den Körper des Betroffenen wieder abzukühlen.

Im Gegensatz zum Hitzschlag befällt der Sonnenstich bei zu viel Sonne nur den Kopf und Nackenbereich eines Menschen. Entzündungsreaktionen bis hin zu einer Hirnschwellung sind mögliche Folgen eines Sonnenstichs. Betroffene weisen einen roten Kopf auf und klagen unter anderem über Kopfschmerzen. Allerdings zeigt sich keine erhöhte Körpertemperatur bei den Betroffenen. Schatten und kühle Tücher auf dem Kopf helfen in gleicher Weise wie bei einem Hitzschlag.

Ein unterkühlter Körper ist genauso möglich wie ein überhitzter. Je nach Schweregrad der Unterkühlung bringst du den Betroffenen an einen warmen Ort und fängst langsam an ihn aufzuwärmen. Warme Getränke wie z.B. lauwarmer Tee sowie Decken unterstützen den wärmenden Prozess zusätzlich. Hingegen solltest du bei erkennbaren Symptomen wie einer verlangsamten Atmung, Muskelstarre bis hin zu Bewusstlosigkeit keinerlei aktive Aufwärmversuche mehr unternehmen. In einer solchen Situation helfen die stabile Seitenlage und den Betroffenen zuzudecken.

Am besten eignet sich ein Kurs, der dir nicht nur die theoretischen Kenntnisse vermittelt, sondern diese in einem großen Maße in die Praxis umsetzt. Dabei kommt auch das Thema Gruppendynamik zum Tragen. Denn insbesondere in einer Survival-Situation ist eine effiziente Gruppenstruktur gefragt: Gibt es einen Gruppenführer, der Kommandos erteilt, gibt es einen Patientenbetreuer, einen Versorger und jemanden, der das benötigte Erste-Hilfe-Equipment heranschafft?  

Eine Reihe von Techniken, die bei der Ersten Hilfe im Survival zum Einsatz kommen, stammt aus dem militärischen Bereich. Dazu zählt das Tourniquet, das als temporäre Blutsperre an den Extremitäten eingesetzt wird. Ein frei bewegbares, inneres Band unterbindet den Zufluss arteriellen Blutes und verhindert somit, dass der Verletzte verblutet.

Wunden mit einem Schnellkleber zu kleben, anstatt sie zu nähen, ist eine Technik, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg vermehrt angewendet wurde. Mit dem Klebstoff ist es möglich, Schnittwunden zu schließen und sie exakt zusammenzufügen, ohne die Wunde zu nähen. Selbst im nassen Milieu des Körperinnern funktioniert der Super-Kleber, denn erst durch Wasser wird er richtig fest.

Wichtig ist es, keinen haushalttypischen Superkleber zu nehmen, da dieser Entzündungen und Fremdkörperreaktionen hervorrufen kann. Stattdessen muss der Kleber auf dem Stoff Cyanacrylat basieren. Erhältlich ist solcher Kleber zum Beispiel in der Apotheke, aber auch im Baumarkt oder im Ein-Euro-Shop wirst du fündig.

Was solltest du immer auf einer Wildnis-Tour dabeihaben?

Das Angebot von Erste-Hilfe-Sets, die für Outdoor-Touren geeignet sind, ist groß. In einem Erste-Hilfe-Mini-Set findest du Ausrüstung für kleinere Schürfwunden, Kratzer und Zeckenbisse. Somit ist das Set nur kurze Ausflüge in die nahe Umgebung geeignet und eher weniger für große Touren.

Erste-Hilfe-Sets mit umfangreichem Inhalt sind auch für längere Touren geeignet und sollten bei einer Gruppenwanderung auch für mehrere Personen ausgelegt sein. Ebenfalls ist es von Vorteil, das Set auf dein Reiseziel abzustimmen. Für eine Reise in die Tropen gibt es spezielle Sets zu erwerben, die extra für Länder mit geringer Hygiene und schlechter medizinischer Versorgung entwickelt worden sind. Auch für die Bedürfnisse von Bikern ist mit einem Erste-Hilfe-Set gesorgt. Bei denen stellen ein wasserdichtes Set und eine Befestigung an ihrem Fahrrad nur zwei der wichtigen Punkte dar.

Eine gewisse Grundausstattung ist meistens in allen Sets vorhanden. Die nachfolgende Liste gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Basics, die auf jeden Fall in deinem Rucksack vorhanden sein sollten. Die Liste lässt sich selbstverständlich noch erweitern und individuell an deine Bedürfnisse anpassen:

  • Verbandtücher
  • Verbandschere
  • Rettungsdecke
  • Kompressen
  • selbstklebende Kompresse
  • Wärmekissen
  • Kälte-Kompresse
  • Dreiecktuch
  • Pflaster
  • Wundnahtstreifen
  • Kugelschreiber
  • Pupillenleuchte
  • Mini-Tourniquet
  • SAM-Splint-Schiene
  • Venenstauer
  • Desinfektionsmittel (Octenisept)
  • Skalpell
  • Zeckenkarte
  • Pinzetten (spitz & flach)
  • Sekundenkleber Cyanacrylat ohne Zusatzstoffe (nicht ätzend)
  • Handschuhe

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Dein eigenes Erste-Hilfe-Set individuell zusammenzustellen kann dir einige Vorteile bringen. Somit ermöglicht es dir, auf deine persönlichen Anfälligkeiten einzugehen. Bist du beispielsweise jemand, der sich schnell Blasen holt, solltest du dir eine ausreichende Menge an Pflastern mitnehmen.

Unabhängig vom Inhalt sollte ein Erste-Hilfe-Set für Outdoor-Touren stets wasserfest sein. Herausnehmbare Innentaschen und einzelne abgetrennte Fächer sowie ein umlaufender Reißverschluss verschaffen dir einen guten und vor allem schnellen Überblick über den Inhalt.

Denke jedoch daran, dass dir Ausrüstung ohne Ausbildung wenig nützt. Die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs wird dir dabei helfen, dir einen Überblick der wichtigsten Produkte und deren Einsatz zu verschaffen.  

Fazit

Einen Erste-Hilfe-Kurs mit Fokus auf Outdoor und Survival zu besuchen ist sowohl essentiell, um wichtige Kenntnisse der Erstversorgung zu bekommen, als auch um die wichtigsten Produkte in einem Erste-Hilfe-Set kennenzulernen.

Im Gegensatz zu einem normalen Erste-Hilfe-Kurs lernst du in einem Outdoor-basierten Kurs, wie du Verletzte aus einem schwierigen Gelände birgst und diese so versorgst, dass sie transportierfähig gemacht werden. Wunden müssen in dieser Situation versorgt werden, sodass diese für längere Transportwege zum nächsten Ort halten.

Wie du mit einem Defibrillator umgehst oder eine Herz-Lunge-Wiederbelebung durchführst, ist zwar überaus bedeutsam zu wissen. Jedoch sind diese Maßnahmen nur dann sinnvoll, wenn ein Krankenwagen oder der nächste Arzt auf dem Weg sind.

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