Porträt: Rüdiger Nehberg - Der bekannteste Abenteurer und Survival–Experte Deutschlands

Rüdiger Nehberg gilt als einer der bekanntesten Abenteurer Deutschlands und ist gleichzeitig ein aktiver und erfolgreicher Kämpfer für die Menschenrechte. 30 Bücher hat er bislang veröffentlicht, in denen er Ratschläge zum Überleben in der Wildnis gibt. Auf seinem Grundstück mit eigenem Privatsee im Hamburger Umland teilte er bis vor kurzem seine Survival-Kenntnisse mit Promis, Managern, Soldaten und Sportlern.

Noch immer ist der 81-jährige umtriebig und setzt sich mit viel Engagement für seinen Verein TARGET ein, der die grausame Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung beenden will. Große Erfolge erzielte die Organisation etwa im Jahr 2004 zusammen mit politischen und religiösen Stammesführern auf Wüstenkonferenzen in Mauretanien und Dschibuti. Dort sprachen sich die Stammesführer gemeinschaftlich für eine Ächtung der Genitalverstümmelung aus – ein entscheidender Schritt in den stark von muslimischen Traditionen geprägten Ländern.

Rüdiger Nehberg  - vom Konditor zum Survival-Experten

Rüdiger Nehbergs Neugier auf die Welt zeigt sich bereits in der Kindheit. Im Alter von drei Jahren unternimmt er seine erste Expedition, die ihn zu seiner Großmutter am anderen Ende seiner Geburtsstadt Bielefeld führen sollte. Allerdings endet die Reise auf den Weg dorthin in einem Rhododendronbusch, in dem er es sich schlafend bequem gemacht hat. Und auch was die Wahl seines Berufes angeht, hat Nehberg seinen ganz eigenen Kopf.

Die beiden Eltern sind Banker und so versucht er in ihre Fußstapfen zu treten. Doch während der Probezeit bei einer Bank bekommt er Migräne und Hautausschlag – der Beruf macht ihn offensichtlich krank. Stattdessen wird Nehberg Bäcker. 

Nach einer Lehre zum Konditor unternimmt er im Alter von 17 Jahren mit dem Fahrrad seine erste Reise nach Marrakesch, um die Kunst der Schlangenbeschwörung zu erlernen. Allerdings ist die Enttäuschung groß, als Nehberg sieht, wie schlecht die Tiere gehalten werden.

Seitdem hat Rüdiger Nehberg unzählige Abenteuer hinter sich gebracht, die sehr weit entfernt von einem All-Inclusive-Urlaub liegen. So wie im Jahr 1981, als er ohne Geld quer durch Deutschland läuft. Er schläft unter freien Himmel und ernährt sich von Heuschrecken und Blindschleichen. Ohne Proviant und Ausrüstung schafft er 1.000 Kilometer in 3 Wochen. Er verliert pro Tag ein Pfund Körpergewicht und lernt daraus, mit nur wenig Nahrung zu überleben.

Seinem Spitznamen „Sir Vival“, in Anlehnung an das englische Wort „Survival“ (überleben), wird Nehberg durch seine Abenteuerreisen mehr als gerecht. Dabei hört er erstmals in den 60er Jahren in den USA vom Begriff „Survival“. Ihm gefällt der Gedanke, sich auf die Urinstinkte zurück zu besinnen und notfalls komplett ohne Ausrüstung und Proviant zu überleben.

Mithilfe von Literatur, aber vor allem durch Selbstversuche sammelt er sich einiges an Wissen an. Denn Nehberg probiert Dinge lieber am eigenen Leib aus - etwa, sich von einem Felspython würgen oder sich an Händen und Füßen gefesselt in fünf Meter tiefes Wasser werfen zu lassen. Er wird zum Ratgeber und zur Ikone für viele Menschen in Deutschland, für die die Lebensdisziplin „Survival“ bislang noch unbekannt war. Durch die Veröffentlichung seiner Survival-Ratgeber, wie dem Besteller „Die Kunst zu überleben“, verbreitet er die Thematik sogar über Deutschland hinaus in ganz Europa.

Seine Abenteuertouren in den 60er und 70er Jahren führen ihn durch Libyen, die Danakilwüste in Äthiopien, über den Blauen Nil und als Tramper um das Mittelmeer. Dreimal landet er im Gefängnis und wird über zwei Dutzend Mal überfallen, weshalb er bei einigen seiner Reisen eine Waffe bei sich trägt. Dass er überdies nicht vor Herausforderungen zurückschreckt, um seinen eigenen Schweinehund zu besiegen, zeigt sich, als er mehrfach mit winzigen Booten den Atlantik überquert. Nehberg, der milde von sich selbst sagt, er sei kein Wassertyp, vollführt die Atlantik-Überquerung ganze drei Mal mit einem Tretboot, einem Floß und einem Baumstamm.

Jedoch endet nicht jede der Abenteuertouren positiv. Bei einer seiner Reisen am Blauen Nil verliert Nehberg seinen Kameramann und Freund durch einen Schuss einheimischer Banditen. Ebenso gibt es Regionen, in denen er sich heute nicht mehr trauen würde, etwa Somalia oder Regionen, in denen der sogenannte Islamische Staat regiert. Das wäre kein Mut, sondern Übermut, so Nehberg in einem Interview.

Rüdiger Nehberg – ein Menschenrechtler

Seine Reisen haben Nehberg emotional aufgerüttelt. Bereits während seiner Ausbildung beweist er Mitgefühl und setzt sich für benachteiligte Mitarbeiter in der Konditorei ein. Auch wenn er sich dabei gegenüber Männern behaupten muss, die in der Hierarchieleiter weit über ihm stehen.

Dieses Gerechtigkeitsempfinden kommt bei der Begegnung mit den Yanomami-Indianern oder später beim Thema der Genitalverstümmelung von Frauen wieder zum Vorschein.

Um sich voll und ganz dem Engagement widmen zu können, verkauft Nehberg nach 25 Jahren seine Konditorei in Hamburg-Wandsbek. Mit verschiedenen Aktionen beginnt er, sich für die von Goldgräbern bedrohten Yanomami-Indianer einzusetzen, eines der letzten Urvölker im brasilianischen Regenwald. Um die Öffentlichkeit auf deren Lage aufmerksam zu machen, unternimmt er im Januar 2001 mit einem Einbaum eine 4.000 km lange Fahrt über den Atlantik, von Mauretanien nach Brasilien. Nur eine der Aktionen, bei der Nehberg die Öffentlichkeit auf die Lage der Yanomami-Indianer aufmerksam macht. Noch im selben Jahr erhalten die Indianer die offizielle Anerkennung und damit den Frieden für ihr Volk.

Im Jahr 2000 gründet Nehberg zusammen mit seiner Frau Annette Nehberg-Weber den Verein TARGET, der sich gegen die weit verbreitete Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung in Ländern wie Äthiopien, Ägypten, Mauretanien und vielen anderen Staaten einsetzt. Mit Hilfe des Vereins will Nehberg vor allem religiöse Führer in der muslimischen Welt dazu bewegen, die Verstümmlung der Mädchen zur Sünde zu erklären. Denn die meisten Opfer sind junge, oft kindliche Muslima und der Brauch wird unrichtigerweise mit dem Koran begründet. Hier schlägt Nehberg einen eher unkonventionellen Weg ein: Er versucht, ihn zusammen mit dem Islam zu gehen, den einige für nicht dialogfähig halten. Doch genau diese Herangehensweise zahlt sich aus.

Weitreichende Erfolge erzielt der Verein beispielsweise mit Konferenzen, auf denen es Nehberg gelingt, hochrangige islamische Gelehrte sowie den Großmufti von Ägypten zusammen zu bringen und einen Gesetzestext zu verfassen. Ebenso bewirkt das Aufhängen von Transparenten in muslimisch geprägten Ländern eine richtungsändernde Wirkung. Auf einem Schild, das vor einer Moschee in der Stadt Samara in Äthiopien aufgestellt ist, sprechen sich landesbekannte Persönlichkeiten gegen die Genitalverstümmelung aus.

„Survival lernt man nie aus“

Neben seinem Wissen ums Überleben hat Nehberg so manche Philosophie von seinen Reisen mitgenommen und verinnerlicht. Wie sich immer nur auf ein Ziel zu beschränken, um sich nicht zu verzetteln. Und dass nicht jeder Plan gleich auf Anhieb gelingt.

Für Nehberg ist Survival etwas, das man nie auslernt und in dem man ständig sein Wissen erweitert, um damit die nächste Herausforderung zu meistern. Vor jeder seiner Reisen bereitet er sich auf mögliche Gefahren vor, aber immer mit dem Wissen um ein gewisses Restrisiko.

Mit seinen 81 Jahren ist Nehberg noch lange nicht am Ende seiner Zeit angelangt. Die widmet er am liebsten seinem Verein TARGET - sieben Tage die Woche. Für Krankheiten hat er laut eigener Auskunft keine Zeit übrig und für den Tod erst recht nicht.

Ein Ziel will er mit TARGET noch erreichen: Mit dem Segen des Königs von Saudi Arabien soll zur Pilgerzeit in Mekka über der al-Ka’ba ein riesiges Transparent enthüllt werden, das die weibliche Genitalverstümmelung zur Sünde des Islam erklärt. Es ist gibt also noch einiges zu tun, damit die Träume des „Sir Vival“ wahr werden.

Für uns bedeuten Rüdiger Nehberg und seine Aktionen, die eigenen scheinbaren Grenzen zu hinterfragen und zu überwinden. Und er ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass jeder mit einer starken Vision und dem Herz am rechten Fleck etwas Großes bewegen – ja sogar das scheinbar „Unmögliche“ verändern kann.

Über TARGET

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TARGET (englisch: „ZIEL“) ist Rüdiger Nehbergs Menschenrechtsorganisation, gegründet im Jahr 2000. Sie ist gemeinnützig und arbeitet aktionsbetont am Ort des Geschehens.

Was will TARGET?

Täglich werden 8000 Mädchen ihrer Genitalien und damit ihrer Würde beraubt. Alle elf Sekunden eins. Weltweit sind 150 Millionen Frauen betroffen. Dieses Verbrechen will TARGET beenden.
Es wird vor allem in afrikanischen Ländern begangen - in einigen bereits seit über 5000 Jahren, unabhängig von Religion und Volkszugehörigkeit.

Mitmachen und helfen

SurviCamp gehört zum TARGET-Förderkreis und unterstützt den Verein finanziell. Auch du kannst helfen - werde Mitglied des TARGET-Förderkreises für nur 15 € pro Jahr (oder auch gerne mehr).

 

Mehr erfahren auf der TARGET-Website

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  • Nehberg - ein echter Held, Visionär und Vorbild

    Für mich ist Nehberg ein echter Held. Dieser Mann muss noch von vielen Menschen wahrgenommen, erlebt, gehört und verstanden werden! Welch eine Power er mit inzwischen 81 Jahren für unterdrückte Menschen ohne Lobby aufbringt, ist beispielgebend. Und seine Erfolge zeigen, dass es sich lohnt auch gegen -oder besser für etwas GROSSES anzutreten. Solche Helden braucht die Welt noch viel viel mehr. Also ab in die Heldenschmiede ;-). Danke für den Beitrag!