Legale Waffen & Mittel zur Selbstverteidigung: Was ist erlaubt und empfehlenswert? (Teil 1)

Von Pfefferspray, Kubotan, Messer, Pistole über Schlagstock und Tonfa bis hin zum Handtaschen-Alarm und nützlichen Apps für das Smartphone bietet sich uns eine riesige Bandbreite an Mitteln und Waffen, die wir zur Selbstverteidigung nutzen können. Aber Achtung: Nicht alles ist überall legal – und nicht alles, was erlaubt ist, ist auch empfehlenswert. Wir haben eine umfangreiche Übersicht der wichtigsten Mittel zur Selbstverteidigung erstellt, erklären die rechtliche Einordnung und wie einfach oder kompliziert es ist, mit diesen Waffen/Hilfsmitteln umzugehen.

Jedoch sollten sie im besten Falle gar nicht zum Einsatz kommen. Selbstverteidigung ist immer der letzte Ausweg aus einer brenzligen Situation. Die erste Regel lautet daher: Weglaufen! Das gilt vor allem, wenn der potenzielle Angreifer selbst eine Waffe hat.

Was ist zweckmäßig? Legale Waffen & Mittel zur Selbstverteidigung

Ist Flucht nicht möglich und die eigene Unversehrtheit unmittelbar in Gefahr, darf jede Person Gewalt im Rahmen der Selbstverteidigung anwenden. Dies wird als Notwehr bezeichnet und ist im Bürgerlichen Gesetzbuch § 227 beschrieben:

Notwehr ist diejenige Verteidigung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Wichtig hierbei ist, dass die Notwehr verhältnismäßig bleiben muss und auch nur genau in dem Umfang erfolgen darf, der nötig ist, um die drohende Gefahr abzuwehren. Anders gesagt: Wenn dich jemand von hinten schubst, darfst du ihn nicht gleich lebensgefährlich verletzen. Und wenn der Angreifer kampfunfähig ist, darfst du ihn nicht weiter „bearbeiten“.

Eine Waffe zur Selbstverteidigung mit sich zu führen ist daher schön und gut – du trägst dann aber auch die Verantwortung, mit der Waffe sicher umgehen zu können. Unterschiedliche Selbstverteidigungs-Waffen sind einfacher oder schwieriger zu meistern – mit manchen bringst du dich sogar in Gefahr, bei der Notwehr unverhältnismäßige Gewalt anzuwenden und dich strafbar zu machen. Andere Mittel zur Selbstverteidigung sind dagegen gänzlich passiv. Wir werfen einen Blick auf alle Gruppen.

CS-Gas und Pfefferspray: Legale Waffen & Mittel zur Selbstverteidigung

Zu den Dingen, die einem beim Thema Selbstverteidigung zuerst einfallen, gehört die bekannte kleine Spraydose mit „reizendem“ Inhalt. Häufig wird CS-Gas oder Pfefferspray als „Handtaschenwaffe“ für Frauen bezeichnet.

CS-Gas-Sprays sind heutzutage aus verschiedenen Gründen nicht mehr empfehlenswert. So sind sie z.B. nur bedingt geeignet, um sich gegen aggressive Tiere, etwa Hunde, zu verteidigen. Dazu kommt, das rund 20% aller Menschen immun gegen oder nur wenig anfällig für den enthaltenen Reizstoff sind.

Daher solltest du zur Selbstverteidigung eher das sogenannte Pfefferspray nutzen. Es ist effektiver als CS-Gas und wirkt auch gegen Tiere. Zu kaufen ist es in kleinen Spraydosen, die du bequem in deine Jacken- oder Handtasche stecken kannst.

Ein Pfefferspray wirkungsvoll einzusetzen ist an und für sich einfach, dennoch solltest du vorher gründlich damit trainieren. Denn in einer gefährlichen Situation passiert es schnell, dass der ungeübte Verteidiger sein eigenes Pfefferspray abbekommt. Zum Beispiel dann, wenn man das Spray gegen den Wind einsetzt oder im Eifer des Gefechts zu früh auf den Sprayknopf drückt und der Reizstoff zu nahe am eigenen Gesicht versprüht wird.

Noch besser funktioniert der sogenannte Jet, also ein flüssiger Strahl mit dem Reizmittel. Dieser hat eine größere Reichweite und ist zielgenauer.

Daher ist es ratsam, das Pfefferspray einfach mal draußen an einem menschenleeren Ort in die Luft zu sprühen, um ein Gefühl für die Reichweite und Verteilung des Gases zu bekommen. Außerdem solltest du in der Lage sein, das Spray in Sekundenschnelle und auch im Laufen oder Rennen aus deiner Tasche zu fischen.

Bekommt der Angreifer das Pfefferspray ins Gesicht, schwellen seine Augen zu, er bekommt Husten und Atemnot und einen starken Juckreiz an den betroffenen Hautstellen. Das gibt dir die Gelegenheit, die Flucht zu ergreifen.

Der Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen ist in Deutschland verboten – es sei denn, der Einsatz geschieht als Mittel zur Notwehr. Deshalb müssen Pfeffersprays grundsätzlich als „Mittel zur Tierabwehr“ gekennzeichnet sein. Vorsicht: Wenn du ein Spray gekauft hast, dem diese Kennzeichnung fehlt, gilt es nach dem Waffengesetz als „verbotener Gegenstand“. In manchen Ländern sind Pfeffersprays grundsätzlich verboten – sich vor Reisen zu informieren ist daher Pflicht

Bewegte Ansicht.

Situation in Deutschland Erwerb: erlaubnisfrei

Besitz: erlaubnisfrei

Führen auf öffentlichen Veranstaltungen CS-Gas verboten

Pfefferspray streng genommen erlaubt, aber nicht empfehlenswert und häufig durch Hausordnung verboten (Stadion etc.)

Schwierigkeit simpel, aber Übung empfehlenswert
Preisspanne 5 € – 20 €
Fazit empfehlenswert

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Pfefferpistole: Legale Waffen & Mittel zur Selbstverteidigung

Die Weiterentwicklung des Pfeffersprays ist die sogenannte Pfefferpistole. Hier wird der Reizstoff mittels einer Treibladung herausgefeuert, was die Reichweite erhöht und die Windanfälligkeit senkt. Pfefferpistolen müssen ebenso als Tierabwehrgerät gekennzeichnet sein und ihr Einsatz gegen Menschen ist außer zur Notwehr verboten. Manche Pfefferpistolen haben sogar einen Laserpointer, mit dem es sich einfach zielen lässt.

Obwohl sie einer echten Pistole ähnelt, benötigst du für die Pfefferpistole keinen Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte. Dennoch sind Pfefferpistolen in ungeübten Händen gefährlich – und können auf einen Menschen abgefeuert sogar tödlich sein (z.B. wenn aus kurzer Distanz auf den Kopf gefeuert wird). Hier ist regelmäßiges Schießtraining nötig, um diese Selbstverteidigungs-Waffe verantwortungsvoll einsetzen zu können.

Wegen der Ähnlichkeit zu einer Pistole solltest du die Pfefferpistole auf öffentlichen Veranstaltungen besser nicht bei dir führen. Ebenso ist sie in der Flugzeugkabine verboten.

Situation in Deutschland Erwerb: erlaubnisfrei

Besitz: erlaubnisfrei

Führen auf öffentlichen Veranstaltungen verboten
Schwierigkeit mittel, Übung erforderlich (Schusstraining)
Preisspanne 40 € – 350 €
Fazit nur empfehlenswert bei konkreter Gefährdungslage oder beruflich bedingter Gefährdung

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Kubotan: Legale Waffen & Mittel zur Selbstverteidigung

Das Kubotan ist ein kurzer Metallstab, der an einem Ende häufig einen Schlüsselanhänger-Ring besitzt. Das andere Ende ist je nach Modell spitz zulaufend oder abgeflacht. An den Seiten befindet sich meist eine Riffelung, um das Kubotan fester greifen zu können.

In einer Notwehr-Situation setzt du den Kubotan als Schlaginstrument und Druckverstärker ein. Ein mit Kubotan ausgeübter Druck auf Schultern, Handgelenke oder Rippen ist extrem schmerzhaft, hinterlässt aber meist keine bleibenden Schäden.

Der große Vorteil des Kubotans besteht darin, dass du ihn jederzeit als Schlüsselanhänger dabeihaben kannst. Das gilt zumeist auch für Flugzeuge – besonders dann, wenn das Kubotan einen integrierten Flaschenöffner hat und somit vornehmlich als Gebrauchsgegenstand wahrgenommen wird.

Um das Kubotan effektiv anwenden zu können, ist regelmäßiges Training erforderlich.

Bewegte Ansicht:

Situation in Deutschland Erwerb: erlaubnisfrei

Besitz: erlaubnisfrei

Führen auf öffentlichen Veranstaltungen erlaubnisfrei
Schwierigkeit mittel, Training erforderlich
Preisspanne 5 € – 30 €
Fazit empfehlenswert

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Taschenalarm: Legale Waffen & Mittel zur Selbstverteidigung

Der Taschenalarm ist ein kleines Gerät, das bei Aktivierung eine extrem laute und schrille Alarmsirene von sich gibt. Dadurch verunsicherst du einen Angreifer und machst umstehende Personen auf deine Lage aufmerksam. Vor allem für ältere Personen ist der Taschenalarm eine gute Möglichkeit, um einen gewissen Grad an Selbstschutz zu erlangen.

Je nach Modell ist die Sirene bis zu 130 Dezibel laut, was an die sogenannte Schmerzschwelle grenzt und einem startenden Düsenflugzeug entspricht. Aktiviert wird sie einfach, indem du einen kleinen Metallstift aus dem Gerät ziehst. Am anderen Ende des Stifts ist häufig ein Schlüsselring oder Band angebracht, mit dem du das Gerät an deinem Schlüssel, deiner Tasche oder deinem Handgelenk befestigen kannst.

Bewegte Ansicht:

Situation in Deutschland Erwerb: erlaubnisfrei

Besitz: erlaubnisfrei

Führen auf öffentlichen Veranstaltungen erlaubnisfrei
Schwierigkeit einfach
Preisspanne 10 € – 20 €
Fazit empfehlenswert

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Legale Waffen & Mittel zur Selbstverteidigung: Fazit

Um mit wenig Aufwand und Geldeinsatz ein Grundmaß an Sicherheit zu erlangen, empfehlen wir, einen Taschenalarm und/oder eine kleine Dose mit Pfefferspray dabei zu haben.

Wer sich mit Kampfsport beschäftigt oder in Zukunft regelmäßig trainieren möchte, für den ist ein Kubotan der ideale Begleiter – klein, günstig, handlich und effektiv.

Eine Pfefferpistole ist dagegen ein wenig unhandlich und empfiehlt sich praktisch nur, wenn eine konkrete Gefährdungslage besteht oder du beruflich in gefährliche Situationen gerätst, z.B. im Sicherheitsgewerbe.

Im zweiten Teil dieser Serie schauen wir uns noch diese Waffen und Hilfsmittel zur Selbstverteidigung an:

  • Messer
  • Tonfa & Schlagstock
  • Notfalls-Apps

Lesetipp

Der Berufsverband der Rechtsjournalisten bietet ein umfangreiches E-Book zum kostenlosen Download an, das sich mit den Themen Notwehr und Nothilfe beschäftigt. Über einen Klick auf das Cover gelangst du zum Buch.

Hier geht es zum zweiten Teil

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