Fluchtrucksack kaufen - Daran erkennst du einen guten Rucksack

Die meisten Fluchtrucksack-Checklisten listen Ausrüstungsgegenstände bis ins kleinste Detail, die alle hinein gehören - vergessen aber, über den eigentlichen Rucksack zu sprechen. Dabei ist er genauso wichtig wie alles andere, wenn nicht sogar wichtiger. Der Rucksack ist dein Garant dafür, dass du deine Ausrüstung sicher und bequem über viele Kilometer und Tage hinweg transportieren kannst.

Wenn dein Fluchtrucksack nicht robust genug ist oder sich nur unter Strapazen tragen lässt, hast du schnell ein Problem. Du kannst dann weniger Gewicht transportieren, ermüdest schneller und kommst langsamer voran.

Worauf musst du beim Kauf eines Fluchtrucksacks also besonders achten? Woran erkennst du einen wirklich guten Rucksack - und woran einen schlechten?

 

In unserer Artikelserie zum Fluchtrucksack wollen wir die praktische Seite zeigen: Keine langen Listen mit Equipment und Trockennahrung, die in so einen Rucksack gehören, sondern eine Darstellung dessen, wie die Anwendung eines solchen Fluchtrucksacks und seines Inhalts "im Feld" aussehen würde. Dazu liefern wir Tipps und Tricks zum Umgang mit dem Fluchtrucksack.

 

Fassungsvermögen

Eine der ersten Fragen vor dem Kauf lautet: Wie groß sollte mein Rucksack sein? Hier musst du dir überlegen, was genau deine Anforderungen sind:

Für welches Szenario packst du den Rucksack - Durchschlagen zu einem Zielort mit mehr Ausrüstung, oder dauerhafte Flucht ohne Aussicht auf Nachschub? Daraus kannst du ableiten, wie lange der Fluchtrucksack dir das Überleben ermöglichen soll.

Ist dein Rucksack für kurze Zeiträume bis 3 Tage ausgelegt, reicht dir bereits ein Modell mit einem Fassungsvermögen um die 35 Liter. Weniger sollte es nicht sein, wenn du Ausrüstung für alle sieben Überlebensbedürfnisse (Feuer, Wasser, Nahrung, Unterkunft, Unversehrtheit, Orientierung und Rettung) bei dir haben möchtest - was wir dringend empfehlen!

Bis zu 7 Tage kannst du dich mit einem Rucksack um die 80 Liter durchschlagen. Dort passen auch ein 1-Mann-Notfallzelt und ein Schlafsack hinein. Am meisten Platz (und Gewicht) wird jetzt aber deine Nahrung einnehmen.

Über 7 Tage hinaus brauchst du bereits 100 Liter Fassungsvermögen oder noch mehr, um alles bequem tragen zu können. Rucksäcke dieser Größe findest du vor allem beim Trekking-Equipment in spezialisierten Geschäften.

Material

Das Material von Rucksäcken ist stets ein Kompromiss aus Stabilität, Gewicht und Permeabilität, d.h. wie gut der Stoff Wasser abweist. Ein absolut reißfester und vollkommen wasserdichter Rucksack klingt erstmal gut. Aber nur so lange, bis du ihn aufsetzt und damit 20 Kilometer läufst - denn er wird unerträglich schwer sein. Die drei Eigenschaften beeinflussen sich gegenseitig so, dass du dir überlegen solltest, was für einen Fluchtrucksack am relevantesten ist.

Dass der Rucksack selbst wasserabweisend ist, finden wir nicht ganz so wichtig - denn um Regentropfen abzuwehren, kannst du auch einen Überzug oder einen Poncho über den Rucksack stülpen. Unser Hauptaugenmerk liegt also stattdessen auf dem Verhältnis von Gewicht zu Stabilität.

Beliebt als Fluchtrucksäcke sind vor allem von der Armee inspirierte Rucksäcke, die häufig aus eher dickem (aber dafür stabilem) Material bestehen. Allerdings raten wir davon ab, einen solchen Rucksack als Fluchtrucksack zu benutzen. Denn das dicke und grobe Material hat ein hohes Gewicht - bei einem Fluchtrucksack kommt es vor allem darauf an, dass du dich schnell und über große Entfernungen bewegen kannst.

Zusätzlich saugt der Stoff sich sehr schnell mit Wasser voll und - was noch viel schlimmer ist - trocknet nur quälend langsam. Sollte der Rucksack also ins Wasser fallen (wogegen ein Überzug nichts helfen würde), müsstest du lange Zeit einen patschnassen Klotz mit dir herumtragen.

Unsere Empfehlung ist daher, dich abermals beim Trekking-Equipment umzuschauen. Die Rucksäcke dort haben generell einen guten Mittelweg zwischen Gewicht und Stabilität, allerdings eher mit Fokus auf das Gewicht.

Farbe

Ein weiterer Faktor ist die Farbe des Rucksacks. Sehr beliebt sind armeegrün und flecktarn - aber ist das auch sinnvoll für einen Fluchtrucksack? Wir meinen nein.

Ein Fluchtrucksack sollte in allen Umgebungen so unauffällig wie möglich sein, damit du keine Aufmerksamkeit auf dich ziehst. Das erreichst du, indem dein Rucksack erstens zivil und zweitens gedeckt aussieht.

Ein Flecktarnmuster ist nicht zivil, daher wirst du in beinahe jeder Umgebung Blicke auf dich ziehen - wenn jemand so einen Militärrucksack hat, ohne eine Uniform zu tragen, dann muss dort doch auch was ganz Besonderes drin sein. Ähnliches gilt für Armeegrün.

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Gedeckt bedeutet, dass der Rucksack eine dunkle Farbe und minimal bis gar nicht gemusterte Textur hat. Am unauffälligsten sind Rucksäcke in Schwarz, Grau, Graugrün und Graublau.

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Gurte

Ob du einen Rucksack bequem und über weite Distanzen tragen kannst, hängt in erster Linie von seinen Gurten ab. Im Geschäft kannst du am Vorhandensein bzw. am Fehlen bestimmter Gurte und an ihrer Qualität ablesen, wie hochwertig der Rucksack ist - und ob du ihn wirklich tragen willst.

Die Grundausstattung an jedem Rucksack sind:

  • zwei längenverstellbare Schultergurte
  • ein Brustgurt, der die Schultergurte verbindet.

Dein Fluchtrucksack sollte außerdem noch eine Hüftgurt haben. Dieser ist besonders wichtig bei Rucksäcken, die mit mehr als 15 kg beladen werden, da das Gewicht beim Tragen größtenteils auf deiner Hüfte liegen sollte. Aber Vorsicht, ein Hüftgurt ist nicht gleich ein Hüftgurt. Es gibt diese Typen:

  • Band-Hüftgurt, d.h. ein einfaches, dünnes Band. Dieser Gurt wird nicht viel Gewicht auf deine Hüfte ableiten und dient mehr der Stabilisierung.
  • gepolsterter schlaffer Hüftgurt. Dieser Gurt verteilt Gewicht auf deine Hüfte und ist dank der Polsterung auch bequemer zu tragen. Wenn der Gurt geöffnet ist, fallen die beiden Enden schlaff nach unten. Ab 15 kg Rucksack-Gewicht solltest du mindestens so einen Gurt haben.
  • gepolsterter starrer Hüftgurt: Das ist der Gurt mit dem höchsten Tragekomfort. Weil er starr und bereits vorgebogen ist, kann der Gurt das meiste Gewicht auf deine Hüfte verteilen. Ab 20 kg Rucksackgewicht zu empfehlen.

Manche Rucksäcke haben außerdem noch Gurte, die zwischen den Schultergurten und dem Rucksack angebracht sind. Damit stellst du ein, wie dicht bzw. weit der Rucksack von deinem Rücken entfernt ist. Das ist sehr nützlich, wenn du mit einem schweren Rucksack (ab 20 kg) in bergigem Gelände unterwegs bist. Hat dein Rucksack diese Gurte, ist das meist ein zusätzliches Qualitätsmerkmal.

Tipp: Schau dir dazu auch unseren Artikel "Die 4 Goldenen Rucksack-Regeln" an.

Lust am Thema? Schau dir doch mal die kostenlose Leseprobe des Buches "Fluchtrucksack" von A. Carley an.

 

Zum Download der Gratis-Leseprobe

 

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Höhenverstellbarkeit

Die Entfernung zwischen den einzelnen Gurten bestimmt, für welche Körpergröße ein Rucksack ausgelegt ist. Die meisten Rucksäcke bieten keine Verstellmöglichkeit für unterschiedliche Größen, stattdessen werden sie in unterschiedlichen Ausführungen hergestellt und verkauft. Achte daher beim Kauf darauf, ob sich dein Wunschrucksack für deine Körpergröße eignet.

Es gibt aber auch Rucksäcke, bei denen sich der Gurtabstand flexibel einstellen lässt. Wenn dein Fluchtrucksack diese Option hat, bist du flexibler - er kostet dann wahrscheinlich jedoch auch mehr.

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Befestigungsmöglichkeiten

Am besten ist es, wenn all dein Equipment in den Rucksack hineinpasst und du nichts an der Außenhülle anbinden musst. So verhinderst du, dass du beim Gehen ungewollte Geräusche verursachst oder im Gestrüpp hängen bleibst. Allerdings sollte dein Fluchtrucksack zumindest die Option bieten, Gegenstände mit einem Spanngurt oder Paracord daran festzubinden - das erhöht deine Handlungsmöglichkeiten und macht dich flexibler.

Achte deshalb darauf, dass am Rucksack zumindest einige Schlaufen oder Ösen verfügbar sind.

Tragekomfort

Ein Rucksack ist wie ein paar Schuhe - wenn er drückt, hast du keinen Spaß damit. Und genau so wie bei Schuhen solltest du deinen Fluchtrucksack deshalb ausprobieren, bevor du ihn kaufst. In guten Trekking- und Campinggeschäften findest du in der Regel mit Gewichten gepackte Proberucksäcke, mit denen du ein paar Runden drehen kannst. Der Verkäufer kann dir zusätzlich helfen, die Gurte und eventuell die Höhe des Rucksacks richtig einzustellen. So merkst du schnell, ob ein Rucksack "passt" oder ob er unangenehm zu tragen ist.

Unsere Empfehlung ist daher: Kaufe dir den Rucksack erst, nachdem du mindestens eine Viertelstunde mit Gewicht damit gelaufen bist.

Zubehör

Zu deinem Fluchtrucksack gehört du auf jeden Fall ein passender Regenbezug. Manche Rucksäcke bieten weiterhin die Möglichkeit, zusätzliche Taschen anzubringen, z.B. an der Seite. So kannst du das Volumen erhöhen.

Empfehlungen

An dieser Stelle möchten wir noch zwei Empfehlungen aussprechen. Es handelt sich dabei um die Rucksäcke, die Benjamin und Daniel von SurviCamp selbst benutzen und vielfach eingesetzt haben. Bei diesen beiden Modellen können wir daher mit Fug und Recht aus der Praxis behaupten, dass sie was taugen.

Empfehlung Fluchtrucksack Normalgröße:

Mammut Nirvana Ride

Mit 30 Litern Fassungsvermögen bietet dieser Rucksack ausreichend Platz für eine ca. dreitägige Versorgung aller Survival-Grundbedürfnisse. Er hat einen guten Hüftgurt und ist auch insgesamt angenehm zu tragen. Vor allem die graue Variante ist optisch unauffällig, da sie kein rotes Mammut-Logo hat. Um den Rucksack herum gibt es mehrere Befestigungsmöglichkeiten für zusätzliches Equipment.

Klicke auf das Bild, um mehr zu erfahren

Empfehlung Fluchtrucksack Groß (INCH Bag):

Osprey Xenith 105

Ein Schwerlastenrucksack mit rund 105 Litern Fassungsvermögen für ausgedehnte Trekkings, aber auch als großer Fluchtrucksack geeignet. Highlight ist der starke, vorgebogene Hüftgurt, der zudem noch leicht erreichbare Taschen enthält. Die grau-grüne Färbung ist angenehm unauffällig, die Reisverschlüsse sind extrem hochwertig und stabil.

Einziger Wermutstropfen: Es gibt nur eine geringe Anzahl an Befestigungsmöglichkeiten am Rucksack. Davon abgesehen bekommst du mit dem Xenith 105 aber definitiv einen der besten Schwerlastrucksäcke auf dem Markt.

Klicke auf das Bild, um mehr zu erfahren

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