Essbare Wildpflanzen finden, bestimmen und zubereiten

Wildwachsende Pflanzen dienten den Menschen schon vor vielen Jahrtausenden als ursprüngliches Nahrungsmittel. Kräuter, Früchte oder Nüsse zu sammeln verschwand allerdings irgendwann aus unserem Alltagsleben. Heute werden viele Wildpflanzen als Unkraut unterschätzt – obwohl sie einiges zu bieten haben.

Sie stehen saisonal und erntebereit zur Verfügung, praktisch kostenlos wachsen sie im Boden und können mit etwas Vorwissen gesammelt und zubereitet werden. Gesundheitsfördernde Stoffe wie Eiweiße, Vitamine, Mineralstoffe und Bitterstoffe kommen in Wildpflanzen oft in höheren Konzentrationen vor, als in kultivierten Pflanzen. Die Brennnessel hat beispielsweise einen 25 Mal höheren Vitamin-C-Gehalt als die gleiche Menge Kopfsalat.

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Des Weiteren enthalten Wildpflanzen Nährstoffe (sekundäre Pflanzenstoffe und Spurenelemente), die man selbst im Biogemüse nicht findet. Zwar zählen sekundäre Pflanzenstoffe bisher nicht zu den essenziellen Nährstoffen für den Menschen, dennoch wird ihnen eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung zugeschrieben. Möglicherweise schützen die Nährstoffe sogar vor verschiedenen Krebsarten.

Spurenelemente wie Zink oder Eisen werden für den Aufbau von Knochen, Zähnen und Blutzellen benötigt. Im Gegensatz zu unserem Obst und Gemüse enthalten Wildpflanzen kein schädliches durch Kunstdünger eingebrachtes Nitrat. Darüber hinaus sind Wildpflanzen auch ungekocht verzehrbar, was in einer Notsituation von Vorteil ist.

Im Allgemeinen haben Wildkräuter aber nicht nur den Vorteil, dass sie essbar sind, sondern besitzen ebenso eine heilende Wirkung. Im Falle des Spitzwegerichs etwa hilft der Saft der zerquetschten Blätter gegen Juckreiz (z.B. ausgelöst durch eine Brennnessel). Kamille lindert als Tee getrunken Magenverstimmungen mit Erbrechen.

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Spitzwegerich

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Kamille

Alles in allem ist das sehr beeindruckend, wenn man bedenkt, dass diese Pflanzen heute meist ein Schattendasein fristen und ihr Wert in Vergessenheit geraten ist. Wir stellen dir deshalb einige essbare Wildpflanzen und Kräuterarten vor und zeigen, wie du sie zubereitet kannst.

Essbare Pflanzen finden - im Wald, in der Stadt oder im Park (Essbare Wildpflanzen finden, bestimmen & zubereiten)

Ob im Wald, in der Stadt oder im nahegelegenen Park – essbare Wildpflanzen sind überall mehr oder weniger präsent. Allerdings gibt es Bereiche, die sich eher nicht zum Sammeln eignen. Wege, Parks oder Wiesen, die häufig von Hunden begangen werden, solltest du auf jeden Fall vermeiden und auch von gedüngten und mit Pflanzenschutzmitteln gespritzten Wiesen oder Feldern die Finger lassen.

Gute Plätze, an denen sich sammeln lässt, sind zum Beispiel Waldränder, ungedüngte Streuobstwiesen, Gebüsche sowie verwildertes Ödland. Jede Pflanze hat einen optimalen Zeitraum, um gesammelt zu werden. Für die richtige Zeit zum Sammeln einer Pflanze gibt es einen Sammelkalender, in dem du dich darüber informieren kannst.

Um den Bestand einer Pflanze nicht zu sehr zu schädigen, hilft es, an mehreren Standorten zu pflücken. So gibst du der Art die Chance, sich wieder ausreichend zu vermehren. Willst du nicht gezielt an die Wurzeln einer Pflanze, brauchst du sie nicht komplett auszureißen. Mit einem Messer oder einer Schere lassen sich die gewünschten Pflanzenteile abschneiden und idealerweise in einem Papiersäckchen aufbewahren, damit sich kein Kondenswasser bildet.

Generell gilt, dass keine geschützten Pflanzen gepflückt werden dürfen. In Deutschland stehen solche Arten auf der Roten Liste. Naturschutz- und Pflanzenschutzgebiete sind ebenfalls vom Sammeln ausgeschlossen. Das Pflücken für den Eigenbedarf ist in Deutschland prinzipiell erlaubt.  

Typische essbare Wildpflanzen in Mitteleuropa (Essbare Wildpflanzen finden, bestimmen & zubereiten)

Einige essbare Wildpflanzen tauchen noch in unseren heimischen Supermärkten auf. Die bekanntesten von ihnen sind vermutlich Löwenzahn und Gänseblümchen. Etwas exotischer hört sich dagegen das Wurzelgemüse Topinambur oder der als Teichpflanze bekannte Rohrkolben an. Auch Wildkräuter wie Bärlauch, Brennnessel oder Kamille lassen sich käuflich erwerben.

Gänseblümchen

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Das Gänseblümchen und seine nahe verwandten Arten sind in ganz Europa heimisch und besonders häufig auf feuchten Wiesen vertreten. Verzehrt werden können alle Teile der Pflanze. Das Gänseblümchen enthält Anteile von ätherischen Ölen und sekundäre Pflanzenstoffe, die sich positiv auf das Magen-Darm-System auswirken. Dabei enthält der Blütenboden der Pflanze die meiste Energie, im Gegensatz zum grünen Stängel.

Löwenzahn

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Löwenzahnarten kommen auf der gesamten nördlichen Hemisphäre vor. Auf Wiesen lässt sich die Art in großen Mengen sammeln. Die bitter schmeckenden Blätter der Pflanze können gut zu einem Salat verarbeitet werden. Die Blüte ist ebenso essbar. Jedoch solltest du Löwenzahn nicht übermäßig verzehren, da dies zu Verstimmungen des Verdauungstraktes führen kann. Die Wurzel enthält Kohlenhydrate und kann nach dem Trocknen und Rösten als Mehl- oder Kaffeeersatz verwendet werden.

Rohrkolben

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Eine weitere essbare Pflanzenart ist der Rohkolben. Da diese Art weltweit vorkommt, eignet sie sich besonders gut als Nahrungsressource. Du kannst sie entweder roh, geröstet oder gekocht essen. Teile der Pflanzensamen können im getrockneten Zustand als Feueranzünder fungieren. Bevorzugt wächst die Art in nährstoffreichen Gewässern sowie an seichten Tümpeln. Jedoch vorsichtig vor Verwechslungen! Die Blattform des Rohrkolbens ähnelt der einer giftigen Sumpfschwertlilie.

Topinambur

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Arten wie der Topinambur stellen eine Alternative zur herkömmlichen Kartoffel dar. Die in Amerika beheimatete Knollenart wird heutzutage vor allem in Südfrankreich angebaut. Erkennen kannst du die Pflanze sehr gut an ihrer Blüte, die der einer Sonnenblume ähnelt. Auch inhaltlich hat die Art einiges zu bieten. Der Topinambur enthält Inulin, ein stärkeähnliches Kohlehydrat, was auch von Zuckerkranken gut vertragen wird. Durch einen hohen Ballaststoffgehalt ist er sehr sättigend und zählt darüber hinaus zu den kaliumreichsten Gemüsearten. Nachteil der Knolle ist, dass sie nur eine dünne Schale besitzt und daher nicht lange haltbar ist.

Um essbare Arten auch in deiner Nähe zu finden, kannst du beispielsweise auf ein Pflanzenbestimmungsbuch oder das Internet zurückgreifen. Um deine Kenntnisse im Bereich von Wildkräutern zu erweitern, gibt es geführte Wildkräuterwanderungen, bei denen du einiges über die Kräuter erfährst.

Giftige Pflanzen erkennen und meiden (Essbare Wildpflanzen finden, bestimmen & zubereiten)

Was die Pflanzen davor schützt, gefressen zu werden, kann auch für dich unangenehm, wenn nicht gefährlich werden. Denn einige Pflanzenarten enthalten in ihren Blüten, Blättern, Früchten, Samen oder Wurzeln toxische Inhaltsstoffe.

Entscheidend dabei ist, in welcher Menge das Pflanzengift aufgenommen wird. Was für ein Tier tödlich enden kann, muss nicht unbedingt für den Menschen die gleiche Wirkung verursachen. Das gilt beispielsweise für den Lavendel, den wir als wohlriechende Heilpflanze kennen. Für Kaninchen oder Meerschweinchen ist der Lavendel allerdings giftig.

Die Symptome von giftigen Wildpflanzen reichen von Erbrechen, Magenkrämpfen bis hin zu Herz- und Kreislaufstörungen. Bei sehr giftigen Pflanzen kann es auch zu einer dauerhaften Schädigung der Nieren oder einem Herzversagen kommen.

Einige essbare Wildpflanzen bergen aufgrund der Ähnlichkeit zu giftigen Arten die Gefahr, verwechselt zu werden. Dies ist etwa bei der Petersilie und der Hundspetersilie der Fall, wobei die Hundspetersilie für den Menschen tödlich sein kann. Auch Vorsicht beim Bärlauch: Die äußerlich sehr ähnliche Herbstzeitlose wird häufig mit dem Original verwechselt. Bei dieser Art führen schon wenige Stängel zu einem Vergiftungstod.

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Bärlauch

Ebenso gibt es essbare Pflanzen, die nur in rohem oder unreifem Zustand giftig sind sowie Arten, bei denen nur bestimmte Bestandteile für den Menschen gefährlich sein können. Tomaten, Kartoffeln und Grüne Bohnen sind in ungekochten oder unausgereiften Zustand teilweise giftig. Grüne Stellen von Tomaten zu essen, lässt einen nicht sofort tot umfallen. Allerdings ist es ratsam, die Stellen herauszuschneiden, denn die grünen Stellen auf und unter der Schale unreifer Tomaten enthalten das Naturgift Solanin. Zu viel des Giftstoffes kann toxisch wirken und zu Kopfschmerzen, Durchfall und Erbrechen führen.  

Die beste Möglichkeit, essbare Wildpflanzen von giftigen Pflanzen zu unterscheiden, besteht darin, sich ein Pflanzenbestimmungsbuch zur Hand zu nehmen. Damit lässt sich die Art einer Pflanze bestimmen und du bekommst gleichzeitig eine Auskunft darüber, ob die Pflanze für dich giftig ist oder nicht.

Wie bereite ich die Wildpflanzen zu? – Rezepte (Essbare Wildpflanzen finden, bestimmen & zubereiten)

Es gibt eine Menge an Rezepten für essbare Wildpflanzen und Kräuter. Oftmals reichen schon wenige Zutaten, um ein leckeres Gericht zu zaubern. Bevor du die Pflanzen zubereitest, müssen alle Pflanzenteile gründlich gewaschen werden. Dabei solltest du auch noch einmal überprüfen, dass keine giftigen Arten dabei sind.

Viele der Arten schmecken als Salatbeilage oder in einer Suppe. Ein einfaches schmackhaftes Rezept ist ein honigähnlicher Löwenzahnsirup. Dafür werden für 3 Portionen etwa 300 Löwenzahnblüten gesammelt. Da die Blüten stark gelb färben, sind Handschuhe zu empfehlen. Die Blüten kochst du mit 1 Liter Wasser und 3 aufgeschnittenen Zitronen für eine halbe Stunde. Den entstandenen Sud durch ein Geschirrtuch pressen und die Flüssigkeit mit Zucker circa 1 Stunde langsam kochen lassen.

Ebenso benötigen die Wurzelknollen des Topinamburs kaum Vorbereitung. Wie bei einer Kartoffel lässt sich die Pflanze pürieren oder in Scheiben geschnitten beispielsweise zu Fleisch zubereiten.  Sowohl roh, als auch ungeschält sind sie ein Genuss.

Die Wildpflanzen anfangs nur in kleinen Mengen essen, denn vor allem zu Beginn können die Pflanzen ungewohnt bitter schmecken. Außerdem lassen sich so die eigene Verträglichkeit und die eigenen Vorlieben testen.

Essbare Wildpflanzen auf dem Balkon oder Garten anbauen (Essbare Wildpflanzen finden, bestimmen & zubereiten)

 Eine Lösung, immer einen Vorrat an essbaren Pflanzen parat zu haben, ist, sie in seinem eigenen Garten oder auf dem Balkon anzupflanzen. Typisch für den Garten sind Wildstauden-Beete oder Kräutergärten, die sich mit wenig Aufwand selber anlegen lassen.

Auch auf dem Balkon findet sich immer ein Platz für Kübel, Töpfe, Körbe oder Blumenkästen. Kräuter lassen sich sehr gut in Hängetöpfen oder Blumenkästen ziehen und viele Obstbäumchen gedeihen auch als Kübelpflanze. Je nach den Bedürfnissen einer Pflanzenart lässt sich der optimale Standort auf deinem Balkon finden.

Topinambur anpflanzen

Der Anbau von Topinambur ist selbst für ungeübte Gärtner zu bewältigen. Das Wintergemüse gedeiht optimal auf einem sonnigen Standort, aber ebenso im Halbschatten. Die Knolle zu Beginn des Frühlings fünf bis zehn Zentimeter tief in den Boden oder in einen Kübel pflanzen. Beim Setzen ausreichend Platz (circa 40 Zentimeter) zur Nachbarpflanze lassen. Die beste Erntezeit ist im Herbst, denn in den Sommermonaten ist die Knolle klein und ungenießbar sind.  Damit sich die mehrjährige Pflanze erneut entwickeln kann, ein oder zwei Exemplare im Boden lassen.

Solange der Boden frostfrei ist, kann das Wintergemüse auch das ganze Jahr über angepflanzt werden. Ansonsten gilt: die absterbenden Triebe im Herbst abschneiden und die Pflanze gut abdecken.

Giftpflanzen im eigenen Garten sowie auf dem Balkon anzupflanzen, sollte immer mit Vorsicht bedacht werden, insbesondere wenn Kinder oder Tiere im Haushalt leben.

Fazit  - Essbare Wildpflanzen sind gesund und schmecken (Essbare Wildpflanzen finden, bestimmen & zubereiten)

Essbare Wildpflanzen sind gesund, kostenlos und regional vertreten. Bevor du dich allerdings zum Sammeln aufmachst, lohnt es sich, in ein gutes pflanzenkundliches Buch zu investieren. Besonders da sich einige Arten stark ähneln und die Gefahr besteht, die giftige Variante zu verzehren.

Hast du erst einmal eine Art gefunden, die dir auch geschmacklich gefällt, lässt sie sich auf vielfältige und leichte Art und Weise zubereiten. Und wer sich gerne einen sicheren Vorrat anlegen möchte, kann sich Wildpflanzen mit wenig Aufwand selbst anbauen – ob im Garten oder auf dem Balkon.

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  • Danke, tolle Infos, ich bin inspiriert!

    Warte nun sehnsüchtig auf den Frühling und hoffe, dass sich bald eine Möglichkeit ergibt die Pflanzen zu suchen, zu bestimmen und zuzubereiten. Wird es dazu mal eine Gelegenheit geben von Seiten Survicamp? Der Beitrag hat mich echt inspiriert. Vielen Dank Annika, sehr schön!